Bei „Die Wunderlampe" lag die eigentliche Aufgabe nicht im Motiv, sondern in der Sprache. Der Betrieb spricht zwei Zielgruppen an – deutschsprachige Laufkundschaft und arabischsprachige Stammkundschaft. Eine Marke, die nur in einem Schriftsystem existiert, lässt eine davon jedes Mal spüren, dass sie mitgemeint, aber nicht mitgedacht ist.
Zwei gleichberechtigte Wortmarken
Es gibt zwei vollwertige Fassungen des Logos: die lateinische Wortmarke „DIE WUNDER LAMPE" mit der Lampe als verbindendem Element – und eine arabische Kalligrafie, die dieselbe Idee trägt, aber nach den Regeln arabischer Schriftkunst aufgebaut ist.
Das ist der entscheidende Punkt: Die arabische Fassung ist keine Übersetzung der lateinischen Form. Sie wurde als eigene Kalligrafie entwickelt, mit eigenem Schwung, eigenem Rhythmus, eigener Lampe. Ein bloßes Umsetzen deutscher Buchstabenformen in arabische Schrift funktioniert nicht – es sieht für Lesende immer nach Fremdkörper aus.

Verbunden werden beide Fassungen über die Farbwelt – Türkis, Violett und Gold – und über die Lampe selbst, die in beiden Varianten als Ankerpunkt dient.
Vom ersten Entwurf zur finalen Form
Interessant ist der Vergleich mit der ersten Fassung: Sie war reines Gold, kalligrafisch verspielt, mit deutlich feineren Linien. Schön – aber mit einem praktischen Problem: Bei kleiner Wiedergabe und auf einem Aufsteller aus zwei Metern Entfernung verliert eine so feine Linienführung ihre Struktur.
Die finale Fassung ist kräftiger, kontrastreicher und behält ihre Lesbarkeit auch dann, wenn sie klein gedruckt oder aus der Distanz gesehen wird.
Der häufigste Grund, warum ein schöner Entwurf verworfen wird, ist nicht Geschmack – es ist die kleinste geplante Anwendung.
Die Preistafeln
Im Laden hängen mehrere hochformatige Tafeln nebeneinander. Sie folgen einem strengen Raster: oben die Kategorie, darunter die Positionen, rechts der Preis in derselben Schriftstärke wie der Artikel.
Die Tafeln sind dunkel gehalten mit hellen Preisen – ein bewusster Kontrast zur meist hellen Ladenbeleuchtung. Wer im Laden steht, soll auf die Tafeln schauen, nicht daran vorbei.
Karten, Gutscheine und Kleinkram
Rund um die Hauptanwendungen entstand das, was im Alltag am häufigsten in die Hand genommen wird:
- Quadratische Karte in Türkis und Violett für die Auslage
- Gefaltete Karte mit runden Untersetzern im gleichen Farbklang
- Gutscheinkarte im Visitenkartenformat mit QR-Code – klein genug fürs Portemonnaie, groß genug zum Verschenken
Gerade Gutscheinkarten werden oft nachträglich und lieblos ergänzt. Dabei sind sie das einzige Werbemittel, das Kundschaft freiwillig an andere Menschen weitergibt.

Was bei zweisprachigen Auftritten schiefgeht
Aus der Arbeit an solchen Projekten immer wieder dieselben Punkte:
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Arabisch als nachträgliche Übersetzung | wirkt angehängt statt gleichwertig |
| Lateinische Schrift 1:1 „arabisiert" | für Lesende unangenehm bis unleserlich |
| Leserichtung ignoriert | Layout kippt, Blickführung stimmt nicht |
| Nur eine Sprache im Logo | eine Zielgruppe fühlt sich nicht gemeint |
Arabisch wird von rechts nach links gelesen. Das betrifft nicht nur den Text, sondern die gesamte Anordnung – wo das Auge zuerst landet, wohin ein Pfeil zeigt, auf welcher Seite der Preis steht.
Fazit
Zweisprachigkeit ist keine Zusatzleistung, die man hinten anhängt. Sie ist eine Entscheidung, die am Anfang getroffen wird und danach jede einzelne Anwendung beeinflusst – vom Logo über die Preistafel bis zur Gutscheinkarte.
Wenn es gelingt, merkt es niemand. Genau das ist das Ziel: Beide Kundengruppen sollen das Gefühl haben, der Auftritt sei für sie gemacht – nicht für die jeweils anderen.
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